Im Fall der Fälle folgt er der Familientradition

Veröffentlicht am 01.03.2016 in Presseecho

Wenn einer Wahl heißt und eine Landtagswahl dräut, ist einer buchstäblich im Wahl-Kampf-Modus: Florian Wahl. Der 31-Jährige will sein Mandat in Stuttgart verteidigen, auch wenn die Vorhersagen für seine Partei niederschmetternd sind. „Wenn einer für einen Marathon trainiert hat, hört er ja auch nicht mittendrin auf.“

Artikel aus der Kreiszeitun von Siegfrie Dannecker

SINDELFINGEN. Fünf Minuten vorm Redaktionsgespräch biegt Florian Wahl mit seiner schwarzen A-Klasse in den Hof der KRZ. Aha. Ein Landespolitiker mit dem Stern auf dem Kühler. Passt ja zu einer Daimler-Region. Politische Korrektheit? Wahl lacht, als er aus der Tiefgarage schreitet. „Ach was. Das Auto ist mir nicht gar so wichtig. Ein 1,8-Liter Diesel. Ich hab den in Rastatt geholt – auf Leasingbasis.“ Nun ja, rein altersmäßig passt die schnittige Karosse auf die A-Klasse-Kundschaft.

In einem vom Automobil lebenden Landkreis allemal. Dabei hat „Flo“, wie ihn seine Freunde nennen, sehr klein angefangen. Und sich nicht gescheut, als junger Abgeordneter mit einem betagten, türkisfarbenen Renault Twingo selbst offizielle Termine wahrzunehmen. Inklusive einer eingedellten Fahrertür. Dann indes hat der TÜV die Liebe geschieden und Wahl einen Einser-BMW gekauft. Bis ihm „einer reingefahren ist“. Nun also keine Niere mehr, sondern den Stern in der – nach dem Smart – zweitkleinsten Variante.

Doch so will er ja auch wirken, der Florian Wahl: nicht überkandidelt. „Ich komm ja zivil zu Ihnen“, grinst der junge Mann in schwarzer Lederjacke und kariertem Stoffhemd. Und stellt ein Erdbeermarmeladen-Gläschen auf den Tisch. 47 Milliliter Inhalt in der Farbe der SPD: knallrot. 5000 Stück hat Wahl zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Landesarbeits- und -sozialministerin Katrin Altpeter, eingekocht. 2000 für sie, 3000 für ihn. Ein kleines Mitbringsel für die vielen Haustürbesuche im laufenden Wahlkampf, sechs bis acht am Tag. Klingelputzen mit Konfitüre. „Die Leute freuen sich, wenn ich ihnen nicht nur einen Flyer dalasse“, schmunzelt der Böblinger, der via Wahl-Plakaten sichtbar präsent ist.

Dass ganze Straßenzüge mit seinem Konterfei zugepflastert seien, verneint Wahl indes. 2000 Plakate hingen „draußen“, auch nicht mehr als 2011. Aber natürlich wolle man Flagge zeigen: „Wir machen scho unser Gschäft“, will der SPDler auch den Nichtakademikern zeigen, dass Wahlkampf ist. „Die Landespolitik kommt ja nicht auf Bildonline . . ., wenn die überhaupt gelesen wird“, sagt der 31-Jährige mit einem Anflug zwischen Zynismus und Realismus.

Dass seine beiden Konterfei-Plakatvarianten – mal ernst, mal heiter – polarisieren, weiß er. „Da gibt es Fans oder Ablehnung, aber nichts dazwischen.“ Doch das ficht ihn nicht an. „Ich hab“, sagt er, „die Motive gar nicht ausgewählt. Nur die aussortiert, die ich gar nicht mochte. Ehrlich gesagt: Ich kann mich an Wahlplakate bis heute noch nicht gewöhnen.“
Sorge um die Verschiebung des Parteiensystems nach rechts.

2011 überraschend mit gerade mal 26 Lenzen ins Landesparlament eingezogen (es lag an 15 Stimmen), weiß Wahl, dass es diesmal schwieriger wird, seinen Sitz zu verteidigen. Schon gar angesichts der derzeit alles dominierenden Flüchtlingsthematik, von der die AfD profitiert. Die Menschen, sagt Wahl, artikulierten auch ihm gegenüber ihre diesbezüglichen Ängste, „und das sollen sie auch“. Er, Wahl, versuche, auch jede Mail zu beantworten. Dass sich das „Parteiensystem in Gänze nach rechts verschiebt“, sorgt den ehemaligen Büromitarbeiter und Nachfolger von Stephan Braun indes schon sehr: „Der Stephan war wachsam und höchstgradig sensibilisiert in Sachen Rechtsextremismus.“

Baden-Württemberg seine Liberalität bewahren, das, sagt Wahl, sei aber ganz wichtig. „Niemand ist exportabhängiger als wir hier“, weiß er. Und immens viele Menschen mit Migrationshintergrund hätten an diesem Wohlstand ihren Anteil. Dass der Zustrom für die staatlichen Behörden in BaWü eine Mammutaufgabe sei, kein Zweifel – und doch hätten sie sie bisher gut auf die Reihe gebracht. Und dann schwäbelt der SPD-Mann auch mal: „Es hätt’ freilich no besser laufa könna, als es g’loffa isch.“ Doch mit einfachen martialischen Parolen werde kein Problem gelöst. So manche CSU-Eskapade erinnert Wahl an Nicolas Sarkozy, als der seinerzeit nach Jugendkrawallen und -kriminalität androhte, die Pariser Vorstädte mit dem Kärcher-Hochdruckreiniger durchfegen zu wollen. Wahl: „In echter Politik geht so was nicht.“


„Ich will der Politikverdrossenheit begegnen“

Als Sarkozy dann im Präsidentenamt gewesen sei, „hat er das so auch nicht mehr gesagt.“ Ständig neue Vorschläge in den Talk-Shows, „wo es um kein anderes Thema mehr geht – Obergrenzen, Grenzzäune, Asyl-Pakete, „das macht die Leute doch kirre“. Er, Wahl, wolle den Menschen vermitteln, „dass es trotz der Flüchtlinge in unserem Land niemandem persönlich  schlechter geht“. Nah am Ohr und dem politischen Puls der Leute zu sein, ist dem Böblinger Stadtrat wichtig. Sie sollten keine Berührungsängste haben, sondern mit ihm ein menschliches Antlitz der Politik verbinden. „Ich will der Verdrossenheit begegnen“, so Wahl: „Deshalb auch mein Bürgerbüro und die Kinderfeste und vieles andere.“ Finanzierbaren Wohnraum zu schaffen, das sei nun eine der vordringlichsten Aufgaben, für die er sich im Parlament einsetzen wolle.

Mit der Verkehrs-Infrastruktur-Situation im Landkreis Böblingen ist Wahl insofern zufrieden, als es nach dem B-464-Ausbau in Holzgerlingen nur noch am Renninger Lückenschluss fehle. Die „Pirouetten des Bundes“ in Sachen A-81-Ausbau und -Deckel geben ihm zwar auch Rätsel auf. „Aber das ist auf der Schiene. Der Point of no return ist beschritten. Gott sei Dank.“ Das sagt er auch zur Darmsheimer Nordumfahrung. Und für den Ausbau und die Elektrifizierung der Schönbuchbahn gibt Wahl „ein klares Bekenntnis ab“. Was die Fahrzeugfinanzierung anlangt, müsse es für den Landkreis leistbar sein. „Vielleicht ist da beim Land ein Umdenken erforderlich, was daran mitzutragen.“

Auch bei der Glasfaserversorgung sieht Florian Wahl noch einen „massiven Handlungsbedarf – nicht nur für Industriegebiete, sondern auch für Privathaushalte.“ Der ländliche Raum dürfe nicht abfallen. „Früher hat man den PC gestartet, ist unter die Dusche, hat sich womöglich seinen Kaffee gemacht und konnte dann endlich seine Mails lesen. Das geht heute doch gar nicht mehr.“


Kalauer wie „Rettet den Wa(h)l“ kennt er zur Genüge

Wahl-Kampf, Wahl-Urne, Wahl-Freiheit, Qual der Wahl . . . – mit so einem Namen kann man schon spielen. Wahl selber kann da nur etwas müde drüber lächeln: „Die Jokes machen schon alle, ich deshalb nicht.“ „Rettet den Wa(h)l“ sei so ein Kalauer in Böblingen/Sindelfingen. Sollte das Motto freilich nicht gelingen und der 31-Jährige seinen politischen Posten verlieren – kein kompletter Beinbruch. „Ich lasse mir meine Kontakte jedenfalls nicht vergolden, sondern mache dann mein zweites Staatsexamen und geh ins Lehramt“, schmunzelt der studierte Politikwissenschaftler: „Ich bin in einem Alter, wo das noch geht.“

Wahl stünde im Fall der Fälle jedenfalls in einer politgenetischen Familientradition. Vater Dr. Günther Wahl war Studiendirektor am AEG für Deutsch und Gemeinschaftskunde, Mutter Cornelia Orlik am LMG Lehrerin für Gemeinschaftskunde, Ethik und Deutsch.

 
 

 

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