Lesung mit Manfred Paulus über Frauenhandel und organisierte Kriminalität

Veröffentlicht am 19.02.2016 in Veranstaltungen

Florian Wahl: „Wir müssen uns stärker für die Bekämpfung von Zwangsprostitution in unserem Land einsetzen.“

Auf Einladung des Landtagsabgeordneten Florian Wahl kam der Kriminalhauptkommissar a.D. Manfred Paulus nach Böblingen, um aus seinem Buch „Organisierte Kriminalität – Menschenhandel“ vorzulesen. Er gilt europaweit als anerkannter Experte für die Themen Menschenhandel, Zwangsprostitution und Pädokriminalität. Sein Buch basiert auf wahren Gegebenheiten und Gesprächen, die er mit Zwangsprostituierten aus Albanien, Weißrussland und anderen Ländern geführt hat. Sie alle berichteten von ihren schrecklichen Erfahrungen, die sie erleben mussten.

„Das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution ist ein sehr schwieriges und emotionales Thema. Hier geht es um Schicksale, um zumeist junge Frauen, aber auch junge Männer, die ihrer Freiheit beraubt, verkauft und dazu gezwungen werden, sich zu prostituieren. Meines Erachtens ist es die Aufgabe einer aufgeklärten Gesellschaft, dem zu begegnen und diesen Verbrechen einen Riegel vorzuschieben“, betonte der Landtagsabgeordnete in seiner Begrüßungsrede.

Es war vor allem erschütternd festzustellen, welch enorme Rolle Deutschland in dem Bereich organisierte Kriminalität und Sexsklaverei spielt. Durch die schwachen Gesetze und die geografische Lage biete Deutschland die Traumbedingungen für Kriminelle, Zuhälter und Bordellbetreiber, so Manfred Paulus.

„Ein Umdenken ist gefragt, aber auch ein Handeln der Politik. Ich setze mich für das schwedische Modell ein. Dort ist die Prostitution bereits seit 17 Jahren illegal. Bestraft werden bei einem Verstoß dann die Freier, nicht die Frauen. Dafür müssen wir uns auch in Deutschland stark machen“, so Florian Wahl.

Gerade erst hat sich die große Koalition in Berlin auf die Eckpunkte eines Prostituiertenschutzgesetzes geeinigt. Zu den Kernelementen des geplanten Gesetzes gehören im Detail die Erlaubnispflicht für Betreiber – vom Bordell bis zum Wohnwagen oder Escortservice – sowie Mindestanforderungen an Betreiber, Personal, Konzept, Hygiene und Sicherheit. Mit einer Kondompflicht sollen die Rechte der Prostituierten gestärkt werden. Außerdem soll die Regelung Praktiken wie "Flatrate-Sex" oder "Gang-Bang"-Angebote verbieten. Dies ist die regulatorische Seite. Gesetzliche Vorschriften zur Bekämpfung des Menschenhandels und der Zwangsprostitution werden derzeit im Bundesjustizministerium erarbeitet. Die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer waren sich einig, dass diese Ansätze nicht weit genug gehen. „Die Kondompflicht nun als einen großen Erfolg zu feiern, ist einfach lächerlich. Und wer soll das bitte kontrollieren?“, so eine Teilnehmerin.

„Es war mir wichtig dieses Randthema in den Mittelpunkt zu rücken. Ich kann nur jedem ans Herz legen, das Buch zu lesen. Es ist eine Reise in das dunkle Herz Europas und zeigt auf, wie der globale Menschenhandel funktioniert. Und es zeigt, dass gerade wir in unserer Position dringend dagegen vorgehen müssen“, so Wahl abschließend.