Wie zu Neujahr böllerten die Sektkorken, sanfter Jazz des Trios Bergkamel erfüllte den Wolfgang-Brumme-Saal und gleich neben dem Eingang harrten Häppchentablette ihrer Enthüllung. Doch nein, es war bewusst kein Neujahrs-, sondern ein Frühjahrsempfang, den der Ortsverein der Böblinger SPD ausrichtete.
Doch trotz verlockender Rahmenbedingungen und der einleuchtenden Idee, von der Neujahrsphase aufs Frühjahr auszuweichen um sich so dem üblichen Empfangsherumgehetze zu entziehen, waren lediglich gut 20 Gäste gekommen. Deutlich weniger als zu den Neujahrsempfängen der beiden Vorjahre. „Wir müssen noch etwas üben“, sagte Fraktionschef Herbert Protze, nannte aber auch eine mögliche Ursache. „Vielleicht ist die Luft raus nach so viel Wahlkämpfen.“ 18 Monate Wahlkampf mit Kommunal-, Bundes- und Oberbürgermeisterwahlen habe man hinter sich, dabei 1800 Plakate aufgehängt und 70?000 Prospekte verteilt, fasste Ortsvereinsvorsitzender Michael Ziegler die Wahlanstrengungen in Zahlen.
Freilich, die Böblinger Genossen haben nur kurze Zeit zum Durchschnaufen. Sie rühren schon jetzt die Werbetrommel für die Nominierung ihres Kandidaten, des Böblinger Stadt- und Kreisrates Florian Wahl. „Wir werden ihn unterstützen für seine Landtagskandidatur“, so Protze. Gleichzeitig prophezeite er, dass nun ganz ungewohnte Zeiten für die Genossen am Murkenbach kämen. „Nach 24 Jahren verlässt uns Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang. Man kann sich noch gar nicht vorstellen, wie es ohne ihn sein kann.“ Ein mancher werde sich noch nach ihm zurücksehnen, prophezeite Protze und zückte ein rotes Notizbuch. Darin habe er sich Aussagen notiert, die während des OB-Wahlkampfes gemacht wurden. Den kommenden OB, CDU-Mitglied Wolfgang Lützner, zitierte er mit der Aussage, das Club Forum solle in seinen Räumlichkeiten bleiben und es soll einkommensabhängige Kindergartengebühren geben.
Während Birgit Kipfer und Stephan Braun sich entschuldigen ließen, kam der prominenteste Sozialdemokrat zwar spät, aber er kam. Der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid (Bild: z) zeigte sich erfreut angesichts Rot-Grüner Kooperation beim Empfang – am Schlagzeug des Bergkamel-Trios saß Grünen-Stadtrat Sven Reisch – und watschte im Vorübergehen die jetzige Regierung Mappus als „Schutzpatrone“ der Steuerhinterzieher ab, nannte gute Wirtschafts- und Bildungspolitik als Kernelemente zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Gern hörte man im Brumme-Saal, dass es nicht reiche, das Land zum Umweltforschungslabor zu machen. Gefragt sei das Land als Umwelttechnologiefabrik, in der die umweltfreundlichsten Autos gebaut werden.
Quelle: 20.03.2010 -
SZBZ, Bernd Heiden